Grußwort Dr. Julia Cloot

Kuratorin und stellvertretende Geschäftsführerin

Gemeinnützige Kulturfonds Frankfurt RheinMain GmbH

 

 

Liebe Gäste,

liebe Künstlerinnen,

 

wir sehen heute zwei Dinge zusammengeführt, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Aktuelle Textilkunst und historisches Burggemäuer. Textilkunst erleben wir meistens dort, wo die Materialität von Textil in ihrem ureigensten Bereich wirkt, als Bekleidung oder als Raumschmuck, als Quilt zum Beispiel – in diesem Bereich sind ja auch die hier präsentierten Künstlerinnen tätig –, jedenfalls nicht sehr häufig als dreidimensionales Kunstwerk. Im Außenbereich ist Textilkunst ebenso selten – auch, weil ihre Haltbarkeit unter dem Einfluss von Wind und Regen begrenzt ist.

 

Nun also Textilobjekte auf und an der Burg. Die Kombination der verschiedenen Materialien Stoff und Stein erinnert uns an das Kinderspiel »Schere, Stein, Papier«, bei dem eine angenommene oder tatsächliche Hierarchie von Materialqualitäten den jeweiligen Sieger bestimmt. Im Projekt der Gruppe Glashaus gibt es eine solche Hierarchie nicht, eher ein fantasievolles, stellenweise ausgesprochen humorvolles Wechselspiel. Fest trifft auf biegsam, bunt auf grau, unüberwindbar-trutzig und weich-flexibel gehen eine Verbindung ein.

 

Aber vor allem handelt es sich um Kunst im öffentlichen Raum. Die an der Burg Kronberg installierten Objekte sind kleine Irritationsmomente, die unsere Assoziationen wecken, die weiße Frau etwa, ein Gespenst, das europaweit in Schlössern und Burgen gespukt haben soll. Oder das feine Spinnennetz, ein Symbol für Waldweben, aber auch für Versponnensein in einer jahrhundertealten Geschichte. So manches Objekt, die Spindel oder die Leiter am Turm, scheinen vom Märchen inspiriert zu sein.

 

Jutta Briehn hat mir gesagt, dass sie die Kunstrichtung LandArt sehr schätzt. LandArt wandelt geographischen in architektonischen Raum um, transformiert Landschaft in ein Kunstwerk. Die Ausgangsfrage dafür ist nicht nur eine rein künstlerische, sondern sie lautet: Wie leben wir mit und in der Natur und welche Themen bietet sie uns an? Unser gestiegenes Verantwortungsbewusstsein für die Natur und für die Welt, die uns diesseitig umgibt, zeigt sich auch in der Kunst, die mit ihr umgeht. So sind die Objekte an der Burg ortsbezogen, in einem wörtlichen Sinn, denn sie hängen an und auf den Burgmauern und im Wald. Die Aussage: Schützen wir unsere Denkmäler und die Natur, die uns umgibt.

 

Die Künstlerinnen, Jutta Briehn, Anne Christ, Bärbel Grünwald, Monika von Hörde, Heike Lunkwitz, Gloria Pemler-Starck, als Gruppe Glashaus zusammengeschlossen, haben das ganze thematische Spektrum aufgenommen, das die Burg Kronberg bietet, so finden sich Speerspitzen aus Stoff neben einer freundlichen Riesenspinne oder einem Ameisenpfad, der die mauern erobert. Stellenweise sind die Objekte eine Art haptisch-visuelle Verlängerung der Burg – etwa dort, wo ein Wasserfall aus unzähligen Stoffelementen dem Brunnen entströmt.

 

Besseres Wetter hätte ich Ihnen allemal gewünscht, denn wenn die Witterung nicht mitspielt, verkürzt sich naturgemäß die Lebensdauer der Objekte – die weiße Frauengestalt trifft das sicher besonders hart. Bis Ende Oktober soll die Installation halten und wir können nur hoffen, dass sich der Himmel endlich ausgeregnet hat, damit wir alle nicht davon abgehalten werden, zahlreich auf die Burg zu strömen.

 

           

AKTUELL: 

 

4. Team-Teaching Seminar

 

und

 

Künstlerstipendium