Dies ist eine oft gestellte Frage speziell bei textilen Arbeiten: Handwerk oder Kunst ? Hier einige Gedanken zu diesem Thema:

 

Ein Patchwork Quilt – was ist das ?

 

Ein Patchwork Quilt ist eine textile Arbeit, die aus einer „gepatchten“, das heißt aus vielen Stoffteilen zusammengesetzten Vorderseite besteht. Mit einem weichen Innenvlies und einer Rückseite werden diese drei Teile „gequilted“ – d.h., durch alle drei Lagen wird gesteppt, um die Teile miteinander zu einer Decke zu verbinden. Dies ist die technische Erklärung für einen Patchwork-Quilt – so weit, so gut.

 

Wie so manch andere Form der textilen Gestaltung hat sich auch Patchwork vom Handarbeitsimage gelöst, seit es nicht mehr auf Nutzen und Zweckmäßigkeit ausgerichtet ist und seine Anwendbarkeit sich geändert hat. Trotzdem hat Patchwork einen schwierigen Stand in der – textilen – Kunst, und es stellt sich immer wieder die Frage: Wo steht Patchwork, wo steht ein Quilt in diesem Bereich zwischen Handwerk und Kunst ?

Vielleicht findet man zu einer Antwort, wenn man die lange und ehrwürdige Tradition des Patchwork betrachtet: Von Tibet über Ägypten und den vorderen Orient nahm es mit den Kreuzrittern seinen Weg nach Westeuropa, um dann mit den ersten europäischen Einwanderern die Neue Welt zu erobern. Hier war Patchwork mehr Handwerk, aus bitterer Not geboren, aber niemals frei von künstlerischen Impulsen. Im letzten Jahrhundert zurückgekehrt nach Europa hat sich der Patchwork Quilt vom Bett an die Wand, von der Horizontalen in die Vertikale begeben und sich neue Blickwinkel und ungeahnte Freiräume erobert – ist es „Kunst“ geworden, war es und bleibt es „Handwerk?“

 

Eine Trennung zwischen Kunst und Handwerk bestand bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts praktisch nicht. Erst in dieser Zeit distanzierten sich die Künstler, allen voran die Maler, von den Handwerkern.  

    

Diese Periode der strikten Trennung dauerte historisch gesehen kaum 200 Jahre und fand im Bauhaus eine starke Gegenbewegung. Zitat aus einer Proklamation des Bauhauses 1919:„Wir Künstler müssen uns auf das Handwerk besinnen. Kunst ist keine spezielle Profession ... aber Könnerschaft im Handwerklichen ist das Wesentliche jedes Künstlers. Darin liegt eine Quelle seiner Kraft und Vorstellung.“ Die textile Kunst stellte einen wichtigen Bereich des Bauhauses dar und war ein durchaus gleichwertiges künstlerisches Gestaltungsfeld.

 

Die Frage: “Wie viele Stunden haben Sie denn an dieser Arbeit gesessen“? würde einem Maler oder Bildhauer nie gestellt – einem Quilter ist sie sehr vertraut. Beim textilen Medium und speziell beim Medium Patchwork ist es offenbar schwer, die Verbindung zur Kunst herzustellen.

 

Wenn Sie dies als Plädoyer ansehen, so haben Sie recht: Es ist ein Plädoyer, ein Plädoyer für den Patchwork-Quilt, für seine Schönheit, seine Lebendigkeit, seine Vielfalt, seine Einmaligkeit. Die Frage, ob Patchwork Handwerk oder Kunst ist, ist müßig, denn ein guter Quilt ist so viel Kunst wie ein Gemälde Kunst sein kann oder einfach nur Handwerk.

 

 

 

 

© Jutta Briehn

           

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