Meisterstücke - Handwerk oder Kunst

In meiner Kolumne"Ein Patchwork-Quilt - was ist das?"beschäftigte ich mich mit der oft gestellten Frage: Handwerk oder Kunst ? Eine Frage, die speziell bei textilen Arbeiten gestellt wird.

Jetzt zeigt das Historische Museum Frankfurt noch bis Januar 2020 eine interessante Ausstellung mit dem Titel "Meisterstücke". Der lange Weg von den in Zünften organisierten Malern bis hin zu freien Künstlern wird anschaulich dokumentiert. Schon im Mittelalter gab es Zünfte unterteilt in Glasmaler, Fassmaler, Kartenmaler und natürlich "Maler". Von der Lehrlings- über die Gesellenzeit vergingen 10 Jahre, bevor ein Maler selbständig arbeiten und sein Werk mit dem Namend signieren durfte. Um diese Selbständigkeit zu erringen musste ein "Meisterstück" abgeliefert werden, das nach genauen Vorgaben (Größe, Thema, etc.) fertigzustellen war. Mit einer Sammlung von 45 Meisterstücken versucht das Historische Museum Frankfurt der Frage auf den Grund zu gehen, wie sich Handwerk und Kunst aufeinander zu bewegten.

Die Zünfte gewährtenen Mitgliedern zwar Schutz und wirtschaftliche Sicherheit in einem sozialen Umfeld, engten aber die freie Entfaltung zunehmend ein. So waren z.B. Frauen ausgeschlossen (wie Maria Sybilla Merian). Diesem Zwang entflohen immer öfter einige Maler nach Italien in die "Academien". Nach diesem Vorbild entwickelten sich jetzt auch in Europa neben dem System der Zünfte Akademien. Ein Beispiel ist die Frankfurter Städelschule, die Anfang des 18. Jahrhunderts von dem Frankfurter Bankier und Mäzen Johann Friedrich Städel gegründet wurde und die Künstler förderte und ihnen eine Ausbildung ermöglichte

Leider gibt es immer noch die Unterscheidung zwischen angewandter und bildender Kunst (wie auch bei der GEDOK immer noch üblich). Ursprünglich zählten zu den gestaltenden Künsten Baukunst, Bildhauerei, Malerei, Zeichnung und auch das Kunsthandwerk.

Ich bin natürlich nicht so vermessen zu behaupten, dass alle textilen Arbeiten gleich zur Kunst erklärt werden müssen. Aber nach wie vor herrscht leider immer noch die Meinung, "textil" ist gleich Frauen- und Handarbeit. Dabei gab und gibt es immer noch hervorragende Textilkünstlerinnen wie z.B. Gunta Stölzl, Anni Albers, Louise Bourgeois, Sonia Delauny oder Hannah Ryggen.

Judith Mundwiler-From the dark sky...
Judith Mundwiler-From the dark sky...

 

 

Noch ein bisschen schwerer haben es Künstlerinnen, die sich der Quilt-Gestaltung annehmen. Wobei die modernen Arbeiten lediglich die Dreilagigkeit des Quilts übernehmen und mittlerweile auch kaum mehr dies.

 

Es gibt annerkannte Textilkünstler (wie Michael James in den USA) und -künstlerinnen, die die Textilszene aus der Handarbeitsecke geholt und ihr Beachtung und Wertschätzung verschafft haben (Z.B. Judith Mundwiler, Eszter Bornemisza, Ursula Rauch, Britta Ankenbauer).

 

 

 

 

Eszter Bornemisza-Competing Quarters
Eszter Bornemisza-Competing Quarters

Das Textilmuseum in Heidelberg-Ziegelhausen ist eines der wenigen Museen, das schon über viele Jahre internationale und weltweit beachtete Quilt-Ausstellungen zeigt, ebenso das Deutsche Textilmuseum in Krefeld und das Textilmuseum in St. Gallen in der Schweiz.

 

Dem Verein Quilkunst e.V. ist es gelungen u.a. das Staatliche Textil- und Industriemuseum in Augsburg für eine Ausstellung zu begeistern.

 

Ob dies nur eine einmalige Angelegenheit war , wird sich zeigen.

           

 

KOLUMNE:

 

            Meisterstücke